High.
High.

High.

Sebastian Marincolo: High.

Klett-Cotta; Mit einem Vorwort von Lester Grinspoon, 2. Aufl. 2013, 160 Seiten 19,95 Euro, gebunden, durchgehend farbig mit zahlreichen Abbildungen ISBN: 978-3-608-50323-4

Rezensent: Oliver Waack-Jürgensen

Der Versuch einer Rezension.

Es ist etwas her, dass ein kompetentes, informatives Buch zum Thema Cannabis in deutscher Sprache erschienen ist. Das Definitive deutsche Hanfbuch sei hier genannt, und der Klassiker Von Hanf ist die Rede von Hans-Georg Behr. Rauschzeichen von Steffen Geyer und natürlich Jack Herers Marihuana darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Alle bis auf Rauschzeichen Erscheinungen, die sich überwiegend mit der Prohibitionshistorie und der Kultur auseinandersetzen, oder sehr fachorientiert die Chemie und Biochemie erläutern die im Zusammenhang mit Cannabis eine Rolle spielt. Die Stigmatisierung und Kriminalisierung, der man als bekennender Cannabis Konsument ausgesetzt ist, scheinen den Mut zu senken, ein spannendes und zeitgemäßes Buch zum Thema zu veröffentlichen. Viele Jahre mussten wir uns mit veralteten und z. T. überholten Werken begnügen oder auf das zurückgreifen was Fachmagazine und Züchter in ihren Foren und Hauspostillen lieferten.

Sebastian Marincolo gelingt mit seinem Buch High der Brückenschlag zu einer lange überfälligen Perspektive auf Cannabis: die psychologisch-wissenschaftliche. Diese fernab der Dämonisierung liegende Betrachtungsweise zeigt Interessierten einen bisher von der Politik geradezu zwanghaft ignorierten Aspekt des Cannabisrausches: die positiven Auswirkungen auf die Psyche und die Entwicklung von Menschen. Angeregt durch die wissenschaftliche Arbeit von Lester Grinspoon von der Harvard University sowie unzähligen dokumentierten Erlebnisberichten, beschreibt Marinolco präzise und verständlich die positive psychische Wirkung von Cannabisprodukten auf Menschen.

Beim Lesen seines Buches wird plötzlich aus einer verteufelten, mit Ängsten und Verboten belegten Pflanze eine therapeutische Hilfe. Ohne Geschwafel analysiert Marinolco klar und verständlich, warum der Cannabisrausch einer großen Zahl Menschen hilft, sich in der Welt und im Selbst zu entwickeln und zu finden und kommt dabei ganz ohne esoterische Klischees aus. Ja, nun seid ihr möglicherweise skeptisch, bestenfalls überrascht, aber diese Analyse wird durch zahlreiche, auf der Webseite archivierte Erlebnisberichte untermauert.

Haschisch als Lebenshilfe? Marihuana als Therapeutikum? Für kompetente, erwachsene Menschen offensichtlich kein Problem. Schafft die Prohibition Kompetenz? Entsteht Vertrauen, wenn mich Menschen denen ich vertrauen muss, denunzieren oder abziehen? Wäre es nicht klüger, durch Information und Qualitätskontrolle Kompetenz zu schaffen und es den Menschen zu überlassen, ob sie Cannabis konsumieren wollen oder nicht? Diesen Fragen müssen Lesende sich zwangsläufig nach Lektüre der Sammlung von Essays und Berichten stellen. Was hier im Weg steht, ist vermutlich die berechtigte und verständliche Furcht vor dem Unterbewussten. Deutschland hat von 61 untersuchten Ländern die zweit mieseste Fehlerkultur, gleich nach Singapur. Es liegt nahe zu vermuten, dass hieraus ein Defizit im Umgang mit unbewussten, wenig kontrollierbaren Bereichen der Psyche resultiert.

Cannabisprodukte können Menschen helfen sich zu zentrieren, verstärken Empathie, geben Gelassenheit, setzen Impulse. Was wie eine Werbung für Psychopharmaka klingt, ist das Potential von reinem Cannabis, von kompetenten Erwachsenen unter sicheren Bedingungen konsumiert, so beschreibt es Marinolco. Voraussetzung ist dabei eine tolerante und offene Gesellschaft, die Fehlerkultur pflegt. Das es einen Jugendschutz geben muss versteht sich von selbst. Darüber hinaus hat der Staat sich raus zu halten und den Menschen zu vertrauen. Wir haben das Thema in der PEIRA Matinee mit Steffen Geyer als Gast vertieft, hier könnt ihr euch das anschauen/anhören. Cannabis freigeben – Jetzt!

Fazit: High von Sebastian Marincolo ist empfehlenswert für interessierte Menschen, die sich über das psychische und therapeutische Potential von Cannabis informieren wollen und das Vertrauen in staatliche Propaganda verloren haben. Neu ist neben der medizinischen Sichtweise der ausgiebige Blick auf Psyche und Sein. Sehr Lesenswert.

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